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30.

Jul

2008

Versammlung
Das Pferd - Pferde Blog

Skala der Ausbildung des Pferdes

 Versammlung

Die gesamte gymnastische Ausbildungsarbeit hat eigentlich nur ein Ziel, nämlich ein gesundes, leistungsbereites, gebrauchsfähiges Pferd zu erhalten. Hierfür ist es wichtig, die Last des Pferdes, einschließlich des Reitergewichtes, gleichmäßig auf alle vier Beine zu verteilen. Da die Vorderbeine von Natur aus den größeren Teil des Gewichts tragen und die Hinterbeine in erster Linie für die Vorwärtsbewegung verantwortlich sind, ist es notwendig, die Last vermehrt auf die Hinterhand zu bekommen. Außerdem wird diese „ungünstige“ Gewichtverteilung noch durch den kurz hinter der Schulter sitzenden Reiter betont. Hinzu kommt ebenfalls, dass die Hinterhand mit ihren entsprechenden Muskelpartien gut zu trainieren ist, während die stützende Vorhand nur sehr bedingt trainierbar ist.

Ein gewisses Maß an Versammlung ist also für jedes Pferd, zwecks Gesunderhaltung und Trittsicherheit notwendig!

Definition Versammlung:

Versammlung ist die Umsetzung der Schubkraft und Tragkraft.

In der Versammlung nimmt die Hinterhand vermehrt Last auf. Das Pferd beugt sich stärker in den Hanken und die Hinterbeine treten weiter vor, in Richtung unter den Schwerpunkt. Dadurch werden die Vorderbeine entlastet und in ihrer Bewegung freier. Es entsteht ein Bild des „Berg-auf-Reitens“. Wobei die Schritte, Tritte und Sprünge zwar kürzer werden, aber der Fleiß und die Aktivität ohne Einschränkung erhalten bleibt. Nur wenn der Schwung im Trab und im Galopp weiterhin voll entwickelt ist, kann sich ein erhabener Bewegungsablauf entfalten.

Wann versammle ich ein Pferd

Versammlung ist nur dann richtig wertvoll, wenn mein Pferd die vorherigen Stationen der Skala der Ausbildung erlernt hat. Ohne Schwungentfaltung oder Geraderichtung kann Versammlung nur fehlerhaft sein. Bei der Geraderichtung veranlassen wir das Pferd, mit beiden Hinterbeinen gleichmäßig in Richtung unter den Schwerpunkt zu treten, was wiederum für die gleichmäßige Aufnahme und Verteilung der Last bei der Versammlung wichtig ist. Und ohne vorangehende Entwicklung der Schubkraft wird mein Pferd die Hinterbeine nicht genügend in Richtung unter den Schwerpunkt setzen, um gerade richtende Arbeit sinnvoll sein zu lassen. Also ist auch hier wiederum dem Zusammenspiel der einzelnen Punkte der Skala der Ausbildung größte Aufmerksamkeit zu schenken.

Wie versammle ich ein Pferd

Durch verstärkte, vorwärts treibende Hilfen wird die erzeugte Steigerung der Schubkraft nicht, wie beim Zulegen, durch die nachgebende Hand herausgelassen, sondern vielmehr mit annehmenden oder durchhaltenden Zügelhilfen abgefangen und über den durchlässigen Rücken in die Hinterhand zurückgegeben, wodurch eine vermehrte Tragkraft erreicht wird.

Wichtig: Auch hier stehen die vortreibenden Hilfen hoch über den verhaltenden!

Versammelnde und versammelte Übungen und Lektionen

Ob eine Lektion versammelnd oder versammelt ist, hängt letztendlich von dem Grad der Perfektion ab, mit der sie ausgeführt wird. Zum Beispiel kann das Rückwärtsrichten mit einem etwas tiefer eingestellten Pferd - was diesem das Rückwärtsrichten über den Rücken erleichtert - geritten werden. Habe ich hingegen ein weiter ausgebildetes Pferd, kann ich diese Lektion bei vermehrter Aufrichtung ausführen, wobei sich das Pferd dann in Selbsthaltung trägt, nun habe ich eine versammelte Lektion.

Weitere Übungen und Lektionen

Galopp- Trab / Trab- Galopp- Übergänge: Es sind versammelnde sowie lösende Übungen, da sie die Hinterhand zu vermehrtem Untertreten anregen und der Rücken mehr aufgewölbt wird.

Schritt- Galopp/ Galopp- Schritt Übergänge: Es sind sowohl Kraft aufbauende wie versammelnde Übungen, da das Pferd hier in beiden Gangarten bergauf weitergehen muss, sowie sich verkürzen muss.

Das Reiten von halben und ganzen Paraden: Hier muss ich besonders darauf achten, mein Pferd auch in den ganzen Paraden beim Halten stets vor den treibenden Hilfen zu haben.

  • Volten: Hier nimmt das innere Hinterbein vermehrt Last auf; das Pferd muss sich im Hinterbein „ beugen“.
  • Doppelte Schlangenlinien: Wie bei der Volte; s.o.
  • Die Wendung auf der Hinterhand.
  • Kurzkehrt aus dem Schritt oder Trab.
  • Jeder Tempuswechsel innerhalb einer Gangart.
Fehler in der Versammlung

Fehler in der Versammlung entstehen eigentlich immer durch zu starke, verhaltene Zügelhilfen, bei gleichzeitig zu wenig vorwärtstreibenden Hilfen und machen sich daher in Taktfehlern bemerkbar.

Gebundener- / passähnlicher Schritt: Das Pferd fußt nicht mehr nacheinander ab, sondern setzt das diagonale Beinpaar fast gleichzeitig auf, bis hin zum Zweitakt, dem Pass. Dieser Fehler ist sehr schwierig zu korrigieren. Manchmal hilft es, das Pferd einfach am längeren Zügel wieder losgelassen schreiten zu lassen, sofern durch zu starke Handeinwirkung das Vorwärtsreiten aus der Schulter heraus blockiert war. Da die Ursachen des passähnlichen Schrittes aber sehr mannigfaltig sind, z. B. auch zu wenig innere Losgelassenheit usw., möchte ich auf diesen Fehler nicht näher eingehen.

Fehlerhafte Schwebetritte im Trab

Hier zieht das Pferd das entsprechende Hinterbein in der Schwebephase zwar „hoch“, setzt es aber nicht in Richtung unter den Schwerpunkt nach vorn ab - bei gleichzeitig festgehaltenem Rücken! Auch hier kann ein etwas tieferes Einstellen des Pferdes, bei gleichzeitig energischen vorwärts treibenden Hilfen zur Wiederherstellung des Schwunges Abhilfe schaffen. Durch viele Tempiwechsel auf geraden und gebogenen Linien innerhalb dieser Gangart, kann dieser Fehler korrigiert werden.

Vierschlag im Galopp

Beim Viertakt im Galopp fußt das Pferd in der Zweibeinstütze nicht mehr gleichzeitig, sondern nacheinander ab. Dadurch entsteht der „vierte“ Takt und die Galoppade wirkt schleppend. Ebenso wie im Trab ist der Vierschlag im Galopp zu korrigieren, um wieder ein im Rücken mitschwingendes, schwungvoll vorwärts gehendes, versammlungsbereites Pferd zu erhalten.

Aufrichtung in der Versammlung

Durch die stärkere Beugung der Hanken entsteht eine höhere Aufrichtung des Halses. Bei entsprechend entwickelter Tragkraft ist das Pferd dann in der Lage, sich ausbalanciert in allen drei Grundgangarten in Selbsthaltung zu bewegen.

Selbsthaltung

Das Pferd geht ausbalanciert und trägt seinen Kopf und Hals selbst, wobei es sich zufrieden und fast unmerklich immer wieder am Gebiss abstößt und somit eine sehr feinfühlige und elastische Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul zulässt.

Relative Aufrichtung

Wir sprechen von einer relativen Aufrichtung in der Versammlung, da diese immer in Abhängigkeit zu dem Grad der Hankenbeugung steht und niemals mit der Hand erzwungen werden darf.

Absolute Aufrichtung

Sie ist immer fehlerhaft und falsch! Ein so aufgerichtetes Pferd ist lediglich mit der Hand aufgerichtet. Es trägt sich nicht selbst- vielmehr wird der Kopf und Hals von der Reiterhand getragen. Zwangsläufig macht sich das Pferd im Rücken fest, es kann nicht mehr im Rücken schwingen, die Hinterbeine treten nicht mehr in Richtung unter den Schwerpunkt und das Pferd kommt aus der Balance. Verspannungen und Unzufriedenheit bis hin zu Widersetzlichkeiten, sowie Takt- und Schwungverlust bis hin zur Geh- Unlust sind die Folge.

Abschließend sei zu bemerken, dass jeder versammelnden Übung stets zur Auffrischung und zum Erhalt des Schwunges eine Verstärkung oder Tritt- bzw. Sprungverlängerung folgen sollte. Auch die Dauer des versammelten Reitens muss dem Ausbildungsstand und der Kondition des jeweiligen Pferdes angepasst sein. Eine ständige Versammlung ist als ungesund zu betrachten, da es dann zu Muskelverspannungen oder gar Muskelerstarrungen führen könnte, denn die gesamte Oberlinie ist während der Versammlung angespannt. Um dies, sowie eine damit verbundene Überforderung auch des Interieurs zu vermeiden, ist ein Reiten in Dehnungshaltung immer wieder notwendig.

Verfasser: Maria K. Wulff 


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