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Der Top-Vererber: Lauries Crusador xx
Er ist ein Hengst, der Betrachter fesselt, dessen
Kinder gelobt werden, sie zu reiten sei wie Ferrari fahren und der
Bundeschampions, Körsieger, Olympiateilnehmer und Grand Prix-Sieger
vererbt, die Nachwuchsreiter zum Goldenen Reitabzeichen tragen: Der
Celler Landbeschäler Lauries Crusador xx gilt zu Recht als einer der
besten Vollblüter in der modernen Reitpferdezucht. „Dieser Hengst ist
ein Blutlinienbegründer, er hat es geschafft, eine neue dressurbetonte
Linie zu entwickeln“, sagt Dr. Jochen Wilkens, Zuchtleiter der
Hannoveraner, dem größten Warmblutzuchtverband der Welt.
Entdeckt wurde der großrahmige Braune mit dem schönen
Abzeichen vom unvergessenen Pferdekenner Maas Johannes Hell. Er holte
den 1985 geborenen, auf dem Gestüt Three Ashes Stud in England
gezogenen Hengst auf seine Station im holsteinischen Klein-Offenseth.
Lauries Crusador xx verließ die Rennbahn als vierjähriger mit zwei
Siegen und einem hervorragenden dritten Platz im Royal Ascot Gold Cup,
dem bedeutendsten Steherrennen Großbritanniens. Knapp 20.000englische
Pfund hatte der Hengst auf der Bahn eingelaufen, dann beendete eine
Fraktur im Fesselkopf seine Karriere als Rennpferd 1989. Das machte es
überhaupt erst möglich, den Hengst zu erwerben. Doch der erste
Auftritt vor kritischen Augen entpuppte sich als Enttäuschung: Vor der
Holsteiner Körkommission fandLauries Crusador xx keine Anerkennung.
Aber wie es manchmal so ist im Leben, sollte genau diese Entscheidung
den Weg des Hengstes in die richtige Bahn weisen.Und so kam es,
dass Besuch auf der Hell’schen Station anstand, der im Nachhinein wohl
nur als Ruf des Schicksals interpretiert werden kann. Celles
Landstallmeister
Dr. Burchard Bade hatte bei Hell gerade einen
Hengst gepachtet, als der meinte: „Warte, ich habe noch einen.“ Lauries
Crusador xx wurde aus der Box geholt und Bade war vom ersten Blick
an begeistert: „Das ist ein Exemplar, das nicht alle Tage geboren wird.
Ich habe ihn sofort mitgenommen.“ Im selben Jahr, 1990, wurde der
Hengst in Celle gekört. Dann begann sie - die große Karriere eines der
bedeutendsten Vollbluthengste in der deutschen Warmblutzucht.
„Es ging direkt mit Volldampf los“, erinnert sich Bade
an die erste Decksaison des neuen Blüters im Landgestüt. Nach einer
Saison in Celle wurde der Hengst mit dem Doppelnamen ab 1991 in
Landesbrück, gelegen im Landstrich Kehdingen, nicht weit von der Elbe,
stationiert. Einer der ersten Züchter, der eine Stute zu „Laurie“, wie
er der Kürze wegen meist genannt wird, brachte, war Heinrich von
Allwörden. Gleich mit dem zweiten Jahrgang landete er einen
Volltreffer: Le Bo wurde geboren, mit Carola Koppelmann bis Grand Prix
erfolgreich. „Lauries hat mich sofort gefangen genommen -sein
unwahrscheinlicher Typ, seine Ausstrahlung. Jedes Jahr haben wir
mehrere Fohlen von ihm bekommen“, erzählt von Allwörden, dessen
Stutenstämme sich 14 Generationen zurück verfolgen lassen. Sein Hof
liegt nicht weit entfernt von der Station, auf der Lauries seit 1991
ununterbrochen wirkt. Dort ist Fred Müller erster Mann. Und kennt
Lauries aus dem Effeff. „Ein hochintelligentes Pferd“, charakterisiert
er den Beschäler, „eine Persönlichkeit, ein Hengst, der weiß, wer er
ist. Das zeigt sich in seinem ganzen Ausdruck und Habitus. Lauries
fühlt ganz genau, wo seine Grenze ist, testet das zwar gerne mal an,
nimmt aber sofort wahr, was er darf und was nicht“, erzählt Müller. Bis
M-Dressur ist der Hengst ausgebildet und dass er die Eigenschaft, die an seinen
Kindern so gelobt wird, selbst verkörpert, weiß Müller aus eigener
Erfahrung: „Lauries Crusador ist ein sehr rittiges Pferd.“
„Mehr Mut zum Blut“ oder „Blut ist der Saft, der
Wunder schafft“, all das sind markante Forderungen und Sprüche, die
zeigen, welch hohe Bedeutung der Vollbluteinsatz in der Zucht hat. Doch
einen Vollblüter für die eigene Stute wählen - das wagen nicht viele
Züchter. Mit Skepsis stehen sie den meisten Blütern entgegen. Anders
bei Lauries. „Er hatte von Beginn an eine volle Deckliste, die nochmal
richtig anzog, als die ersten Söhne Furore machten“, berichtet
Landstallmeister Dr. Bade. Und was erwartet man von einem Vollblüter,
dem seit Jahrhunderten auf Rennleistung gezogenem Pferd in der
Warmblutzucht?
Das erklärt Zuchtleiter Dr. Wilkens: „Eine
Verfeinerung, Veredelung des äußeren Erscheinungsbildes, ein
ausdrucksstarkes Gesicht, große Schulterpartie, eine lange Kruppe, ein
trockenes Fundament. All das vererbt Lauries Crusador durchschlagend.
Dazu kommen Rittigkeit und gute Grundgangarten - nicht unbedingt normal
beim Einsatz von Vollblütern.“ Ebenso wenig alltäglich ist die
sportliche Bilanz von Lauries-Nachkommen: Nicht nur, dass ihre
Lebensgewinnsumme laut Jahrbuch Zucht 2004 knapp 409.000 Euro betrug,
sie stehen auch auf internationalen Turnieren und
Nachwuchspferde-Championaten im Rampenlicht. 24 gekörte Söhne, 30
S-erfolgreiche Nachkommen, 70 Staatsprämienstuten - alles keine
Selbstverständlichkeit eines Beschälers, schon gar nicht eines reinen
Blüters. Umso größer die Ausnahmestellung, die Lauries Crusador xx zu
Recht inne hat.
Der Landbeschäler kann auf
eine Abstammung blicken, die es in sich hat im Rennsport: Vater Welsh
Pageant xx gewann selbst elf Rennen und verdiente über 53.000 englische
Pfund, ehe er als Vererber Nachkommen brachte, die über 340 Rennen
gewannen und mehr als zwei Millionen englische Pfund zusammen
galoppierten. Lauries Mutter Square Note xx heimste Siege sowohl auf
der Flachen wie über Hindernissen ein und brachte fünf siegreiche
Rennpferde in der Zucht. Auch ihre weitere mütterliche Abstammung ist
bestückt mit Rennsiegern. Doch sogar zur Warmblutzucht lässt sich eine
Verbindung herstellen: Square Notes Urgroßmutter Equation xx brachte
den Vererber Ecuador xx, der S-Dressurpferde wie Klaus Balkenhols
Escorial zeugte und Vater von Hengsten wie Eklatant, Egerländer und
Eldorado wurde. Und über Lauries Urgroßvater väterlicherseits lässt
sich eine Verbindung herstellen zum Landbeschäler Hill Hawk xx, der mit
seiner Tochter Cileste verantwortlich ist für die Parade der gekörten
und größtenteils im Sport erfolgreichen Vollbrüder Welt Hit I bis VI.
Ein
Meisterwerk schuf Lauries mit seinem Sohn Londonderry. „Er weiß, wie
schön er ist“, charakterisiert Wolfhard Witte vom Landgestüt Celle den
schmucken Fuchs. 1997 wurde er zum Sieger seiner Körung in Verden
ausgerufen und für 50.000 Euro von Dr. Bade erworben. Als Fünfjährigen
hat Witte den Hengst unter den Sattel bekommen. Zuvor wurde Londonderry
unter Peter Achilles strahlender Bundeschampion der vierjährigen
Hengste 1999. Nach dem Titel des Vize-Bundeschampions der sechsjährigen
Dressurpferde war er bereits siebenjährig S-platziert. „Eine große
Persönlichkeit, der genau weiß, in welche Pose er sich stellen muss, um
zu wirken“, sei Londonderry, „dabei sehr intelligent, lernwillig,
gehfreudig und unheimlich kernig. Manchmal hat er einfach Blödsinn im
Kopf, buckelt auch ganz gerne oder legt sein Interesse im Training mehr
auf seine Umwelt als die Dressur. Aber sobald der Hengst eingeflochten
ist, weiß er, was Sache ist - da hat er mich noch nie im Stich
gelassen“, erzählt Witte. Auf dem Turnier-Abreiteplatz kann sogar
Wittes vierjährige Tochter Amrei vorne im Sattel Platz nehmen -
Ehrensache, dass Londonderry seine Flausen im Kopf dann tapfer
unterdrückt.
Ein eindrucksvolles Schaubild, das seine herausragende
Vererbungsleistung unterstreicht, hatte Londonderry auf den Celler
Hengstparaden im Herbst 2004: Fünf Söhne, allesamt von der
Hengstleistungsprüfungs- Anstalt in Adelheidsdorf, präsentierten sich
unter dem Sattel. Darunter kein Geringerer als der hannoversche
Körsieger von 2003, Liberty Gold. 130.000 Euro kostete dieser aus einer
Weltmeyer-Mutter gezogene Hengst, der den Erfolg seines Vaters an
dessen erster Triumphstätte in Verden genau sechs Jahre später
wiederholte. Noch teurer war Locksley, Reservesieger von 2003, der die
Gebote bis auf 175.000 Euro in die Höhe schnellen ließ. Den Zuschlag
bekam das Landgestüt Celle, ergo lief Locksley auch in Londonderrys
Schaubild mit. Doch nicht nur mit herausragenden Hengsten kann
Londonderry, dessen erster Fohlenjahrgang im Milleniumsjahr geboren
wurde, aufwarten: La Perla heißt seine rappfarbene Tochter, die Holga
Finken 2004 zur Bundeschampioness der dreijährigen Reitpferde steuerte.
2001 für 17.000 Mark über die Fohlenauktion gewechselt, gewann die aus
einer Weltmeyer-Mutter gezogene Hannoveranerin auch ihre
Zuchtstutenprüfung mit Weile: Drei mal vergaben die Richter die
Traumnote zehn für Trab, Schritt sowie im Fremdreitertest. La Perla war
nicht die einzige Bundeschampionats-Aspirantin, die unter der
strahlenden Spätsommer-Sonne 2004 Ehre für ihren Vater einlegte: Bei
den vierjährigen Reitpferden wurde der Londonderry-Sohn Liasion zum
Vizechamp erkoren und wenig später über die Verdener Elite-Auktion für
65.000 Euro zum Cadre Noir nach Frankreich versteigert. Dr. Bade
beschreibt die Zuchtleistung des stark frequentierten Landbeschälers
so: „Londonderry vererbt sich sehr typvoll, sehr einheitlich und
sicher, er macht bewegungsstarke, chice Pferde mit sehr guter
Rittigkeit.“
Präsentiert sich Londonderry
mehr als der selbstbewusste Frechdachs, zeigt sich sein väterlicher
Halbbruder Longchamp eher als Sensibelchen. Der aus einer Eisenherz
I-Mutter gezogene Braune, ebenfalls Celler Landbeschäler, weist eine
Karriere nach Maß auf: Dreijährig Vize-Bundeschampion, vierjährig
dritter in Warendorf, sechsjährig fünfter, siebenjährig zweifacher
S-Dressur-Sieger. Ihn hat Wolfhard Witte seit neun Jahren unter den
Sattel - er war der erste Landbeschäler, den er im Sport vorgestellt
hat. Mit dem Hengst hat er eine besondere Nummer einstudiert: „Meine
Tochter hat herausgefunden, dass Longchamp auf ein Kitzeln unterm Maul
seine Zunge herausstreckt. Wenn Führungen durchs Landgestüt
stattfinden, machen wir das und wenn dann jemand behauptet, der Hengst
hätte einen Zungenfehler, sag ich: Er zeigt einfach nur direkt, ob er
jemanden mag oder nicht.“
Trotzdem der Hengst
vom Naturell her eher zarter besaitet ist als Londonderry, kein lautes
Wort hören mag und am liebsten nur warm abgespritzt wird, kann Witte
viele Gemeinsamkeiten, die sich durch Lauries Vererbung wie ein roter
Faden zieht, feststellen: „Beide sind sehr kernige, gehfreudige und
arbeitseifrige Pferde, die umso besser werden, je heißer draußen die
Temperaturen sind.“
Leistungsbereitschaft
ist einer der Hauptattribute, die mit Longchamps Vererbung in
Verbindung gebracht werden. Und dafür greifen Käufer tief in die
Tasche. 75.500 Euro kostete der aus einer Westwall-Mutter gezogene
Little sweat, 62.000 Euro war dem Landgestüt Celle 2002 der aus einer
Wenzel I-Mutter gezogene Luis Vuitton wert, für 37.500 Euro wechselte
der aus einer Lortzing-Mutter gezogene Hengst Long Island 1999 ins
brandenburgische Haupt- und Landgestüt Brandenburg:
Longchamp-Nachkommen bereicherten mehrfach die Auktionsplätze. Auch auf
der noblen Performance Sales International in Ankum entlockte
Auktionator Uwe Heckmann den Besuchern stolze Preise für
Longchamp-Nachkommen: Im Jahr 2002 war es die aus einer Grand
Royal-Mutter stammende Stute Lady Royal, die Käufern aus
Schleswig-Holstein 100.000 Euro wert war, ein Jahr später kitzelte
Heckmann aus dem Lingener Turnierveranstalter Heinrich Kampmann 173.000
Euro für den Longchamp-Condor M-Sohn Lots of Fun heraus. Was
Londonderry für Celle und Hannover, ist Laurentianer für Warendorf und
Nordrhein-Westfalen: Ein Zugpferd, das in Sport und Zucht Maßstäbe
setzt. Der eine fuchsfarben, der andere braun, beide modern,
bewegungsstark, rittig und erfolgreich, der eine Bundeschampion, der
andere Weltmeister, beide Väter von Körsiegern und teuren
Auktionspferden. Weitsicht bewies Landstallmeisterin Susanne Rimkus,
als sie Laurentianer 1996 für 27.500 Euro auf der Körung in Verden
erwarb. Der aus einer Grande-Eisenherz I stammende Hengst gewann seine
Hengstleistungsprüfung 1997 mit der Maximalnote zehn für die
Leistungsbereitschaft und setzte im Jahr 2000 zu einem Paukenschlag an,
dessen Echo weit über Deutschlands Grenzen hinaus klang: Unter Michael
Farwick wurde er Weltmeister der sechsjährigen Dressurpferde. Ein Jahr
später gewann er bereits seine erste S-Dressur, seit 2002 kommen unter
der Niederländerin Marlies van Baalen internationale Erfolge dazu.
„Laurentianer reiten ist wie Ferrari fahren“, lobt Rimkus den Hengst,
„so ehrgeizig und leistungsbereit ist er. Ein ganz fein abgestimmtes
Pferd, das immer alles richtig machen will.“ Gleich aus seinem ersten
Jahrgang brachte der Hengst drei gekörte Söhne und schon mit dem
zweiten ließ er die Fachwelt aufhorchen: 2001 stellten sich in
Münster-Handorf sechs der Kommission, fünf wurden gekört, darunter kein
Geringerer als der Körsieger Laureus. Als dann die Daten des Jahrbuchs
Zucht herauskamen, war die Freude groß im Landgestüt: Laurentianers
erste Dreijährigen unterm Sattel heimsten die größte Gewinnsumme aller
Altersgenossen mit Premierenjahrgang ein. Das steigert die
Begehrlichkeit: Auf 37.000 Euro ließ der ebenfalls Laureus getaufte,
aus einer Cantor-Mutter stammende Laurentianer-Sohn die Gebote
anlässlich der nordrhein-westfälischen Frühjahrs-Elite-Auktion 2002
klettern. Mit 34.000 Euro nur wenig günstiger war der aus einer
Potsdam-Mutter gezogene Lahnstein, der auf der Münsteraner
Elite-Herbst-Auktion 2003 unter den Hammer kam. Teuerstes in
Münster-Handorf versteigertes Laurentianer-Fohlen war bisher mit 13.000
Euro 1998 Lauritz, der mütterlicherseits aus einer Mon Cheri-Mutter
stammte. Und auf der PSI-Auktion 2003 verzauberte die
Laurentianer-Schöning- Tochter Liebeszauber kanadische Interessenten so
sehr, dass sie 110.000 Euro für sie ausgaben.
Siegerhengst
Laureus übrigens, der in seinem 30- Tage-Test in Charakter,
Leistungsbereitschaft, Temperament und Konstitution Wertnoten von 9,0
und besser erhielt, stammt aus einer Holsteiner Mutter. Mit Loutano hat
er einen international erfolgreichen Dressurhengst im Pedigree,
Constant war selbst im großen Springsport zu Hause. Laureus verstärkt
das nordrheinwestfälische Landgestüt. Sein Vater Laurentianer ist
jedoch nicht der einzige „Lauries“ in Warendorf: Laomedon heißt der
zweite im Bunde. Aus einer Wittgenstein-Pik Bube-Mutter gezogen trägt
der 1996 geborene Hengst ebenfalls den Hannoveraner Brand. „Ein Pferd
mit viel Schmelz, das sich unheimlich arbeiten lässt, großes Talent für
Piaffe und Passage am langen Zügel beweist und sehr elegante, schöne
Typen macht“, beschreibt Rimkus Laomedon. Über diesen Hengst,
Laurentianer und dessen Söhne Lafon, Liebeszauber und Laureus
repräsentieren insgesamt fünf Vererber die Linie von Lauries Crusador
xx in Warendorf. „Für mich ist Lauries Crusador der interessanteste
Veredler, den wir momentan in der Zucht haben. Über Jahre hinweg ist er
der Vollblüter, der die Zucht geprägt hat. Er gibt gute
Reitpferdequalität weiter und macht Pferde, die sich arbeiten lassen
und über Bewegungs- Potenzial verfügen“, erklärt Rimkus.
Neben den Staatsdienern von Celle - zu dem auch
Lancier, sechsfacher Hengstvater und Erzeuger des für 97.500 Euro
versteigerten Lanceur zählt - und Warendorf gibt es noch eine ganze
Reihe vielversprechender Lauries Crusador-Söhne auf Privatstationen.
Beispiel Laudabilis. Über seine Mutter von Warkant-Eiger I eng verwandt
zu Londonderry wurde der bewegungsstarke Braune auf seiner Körung 2002
für 33.000 Euro nach Westfalen zugeschlagen. Bereits in seinem 30-Tage-
Test 2003 fiel er mit Noten von 9,25 für die Rittigkeit, 9,38 für den
Galopp und 9,0 fürs Interieur sowie 8,63 für den Trab auf. „In seiner
ersten Saison deckte Laudabilis 227 Stuten, in seiner zweiten 257“,
erzählt sein Besitzer Mathieu Beckmann. Franzosen sicherten sich ein
Laudabilis-Maurice-Fohlen auf der nordrhein-westfälischen Auktion für
9.500 Euro.
34.000 Euro - das ist der stolze
Preis, der auf der Auktion des Klosterhofs Medingen 2004 für ein
schickes Hengstfohlen namens Life Power gezahlt wurde. Der Vater des
kleinen Hengstes trägt den Namen Laurentio, stammt ab von Lauries
Crusador-Wanderbursch IIGrande, erhielt in seinem Veranlagungstest für
die Rittigkeit eine 9,5, gewann vierjährig eine Dressurpferdeprüfung
der Klasse A mit 9,0, qualifizierte sich als Fünfjähriger bei seinem
einzigen Turnierstart direkt zum Bundeschampionat und ist einer der
gefragtesten Hengste auf dem Klosterhof. „Total leistungsbereit, sehr
schnell lernend, sehr rittig, manchmal etwas frech aber immer händelbar
und im Umgang sehr lieb“, dieses Lob über Laurentio kommt aus dem Mund
von dessen Reiterin Maike Lühring.
Dann ist da noch Louis Heslegard. Der Hannoveraner
Hengst ist der erste Nachkomme von Lauries Crusador xx, der den Weg zu
den Olympischen Spielen erklommen hat. Louis Heslegard wurde 1994 in
Verden gekört und für 20.500 Euro nach Dänemark zugeschlagen. „Dort
gewann er mit einer Note Abstand den Dressurindex seiner
Leistungsprüfung“, erzählt sein Züchter Johann von der Decken. Unter
Fie Christine Skarsoe bis St. Georg erfolgreich, gewann er unter Karin
Rehbein mehrere schwere Dressuren und qualifizierte sich als
Siebenjähriger für den Nürnberger Burgpokal.
Mit Gerda Lehmann dann holte Louis Heslegard Erfolge
auf Grand Prix-Niveau und vertrat die griechischen Farben auf den
Olympischen Spielen von Athen. Vollbruder Lauries Lavandou ist wie sein
Züchter erzählt in schweren Dressuren in Süddeutschland erfolgreich,
Vollschwester Loreley brachte mit Dressurgenie Donnerhall den gekörten
Hengst Dali X, der in Westfalen deckt. Einer, der in der Auswahl für
den Olymp stand, war Lesotho. Mit ihm schaffte Ellen Schulten-Baumer
den Sprung in den Olympiakader. Den großrahmigen, aus einer World Cup
I-Mutter gezogenen Fuchswallach erwarb Dr. Uwe Schulten-Baumer auf der
Verdener Herbst-Auktion 1997 für 25.000 Euro. Unter dessen Stieftochter
Ellen sammelt der Hannoveraner beständig Erfolge, siegte 2001 in den
Grand Prix-Prüfungen von Bad Salzuflen, Donaueschingen und Stuttgart,
war 2002 und 2003 platzierter Weltcup-Finalist, zählte ’03 zum
siegreichen Team des Nationenpreises von Mondorf und war 2004 dritter
im Grand Prix der „kleinen Tour“ von Aachen. Sechsjährig stand er im
Finale des Bundeschampionats, neunjährig wurde Lesotho mit dem Otto
Lörke Preis für das beste Nachwuchs-Grand Prix-Pferd geehrt. Auf den
ersten Blick gefiel Ellen Schulten- Baumer der Fuchs allerdings nicht.
„Der Doktor hat ihn in Verden telefonisch ersteigert. Als er ankam,
fand ich ihn nicht so ansehnlich, er war nicht gerade der Hübscheste.
Aber das Gefühl unterm Sattel, das war gleich gut.“ Diese Einschätzung
ist geblieben. Temperamentsmäßig ganz einfach ist der Wallach übrigens
nicht: „Mal ist Lesotho sehr ausgeglichen und ruhig, dann kann er von
Null auf 100 explodieren, bocken und toben. Er kann auch ganz genau
zwischen Training und Turnier unterscheiden - in einer Prüfung ist er
immer hoch motiviert.“
Nicht selten war Lesotho direkter Konkurrent zum
ebenfalls fuchsfarbenen, aber mehr vom Vollblut geprägten Wallach Le
Bo. Dieses Pferd bildete Carola Koppelmann nicht nur von dreijährig an
aus, sie holte auch das Goldene Reitabzeichen mit ihm und schaffte den
Sprung zum Grand Prix. „Le Bo ist für mich ein ganz besonderes Pferd,
dem ich viel verdanke. Vom ersten Augenblick, als er zweieinhalbjährig
in den Ausbildungsstall meiner Eltern kam, habe ich mich in ihn
verguckt. Mich hat seine unwahrscheinliche Leistungsbereitschaft
überzeugt, er hat immer Lust am Arbeiten, ich könnte ihn theoretisch
dreimal am Tag reiten und er hätte immer noch Spaß daran“, beschreibt
sie den aus einer Eisenherz-Mutter gezogenen Wallach. Fünfjährig war Le
Bo Vizebundeschampion und vierter bei der Weltmeisterschaft der jungen
Dressurpferde, ein Jahr später wieder Finalist in Warendorf. Besonders
erfolgreich war das Paar im Piaff-Förderpreis, einer Serie für
Nachwuchsreiter bis 25 Jahre auf Grand Prix-Niveau. Donaueschingen,
Nörten-Hardenberg und Gera waren die Siegstationen 2002, 2003 gewannen
Le Bo und Carola Koppelmann alle Prüfungen der Serie bis auf die erste
und letzte. Im Finale musste Le Bo dann Lesotho vorüberziehen lassen -
damit stammten Sieger und Vize-Champ von Celles Starvererber Lauries
Crusador xx. Doch auch der Einstieg in den „großen“ Grand Prix- Sport
klappte mühelos: 2004 wurden Koppelmann, die ihre Ausbildung am
Deutschen Olympiade Komitee für Reiterei absolvierte, und Le Bo
sechster auf der Deutschen Meisterschaft und holten sich mit dem
fünften Platz im Grand Prix Special von Aachen einen schönen Erfolg.
Mittlerweile trainiert die 26-Jährige ihr Erfolgspferd mit dem
ehemaligen Dressur- Bundestrainer Klaus Balkenhol.
Rittigkeit
und hervorragende Leistungsbereitschaft - das sind nicht nur
Eigenschaften, die die jungen Grand Prix-Reiterinnen Ellen
Schulten-Baumer und Carola Koppelmann an ihren Erfolgspferden schätzen,
es sind auch die Attribute, die Lauries Crusador xx-Kinder auf den
Auktionen begehrenswert macht. Bisher teuerster in Verden versteigerter
Sohn war der aus einer Wanderer- Mutter gezogene Laurentius, der
anlässlich der Körung 2001 für 92.500 Euro ins Landgestüt Celle
wechselte. Jeweils 50.000 Euro kosteten 2001 das Reitpferd Lauritz und
der gekörte Hengst Lauries World, beide aus einer World Cup I-Mutter
gezogen.
Einer,
der auch über die Verdener Auktion lief und seinen Weg in die schwere
Klasse fand, ist Little Big Man. Gezogen bei Dr. Max
Schulz-Stellenfleth, einer der erfolgreichsten Hannoveraner Züchter,
kaufte ihn Dr. Jürgen Bösche 1996 für 46.000 Euro. Der aus einer
Wendekreis-Mutter gezogene Braune hat die in ihn gesetzte Hoffnung
nicht enttäuscht: Unter Falk Rosenbauer siegte er bisher in fünf S,
sieben St. Georges- und zehn Intermediaire I und II-Prüfungen, ehe er
in den Grand Prix-Sport wuchs. „Ein Pferd, das jeden Tag arbeiten will,
das aber gleichzeitig so anhänglich wie ein Hund ist“, so
charakterisiert Falk Rosenbauer den Hannoveraner. Siebenjährig war
Little Big Man vierter im Nürnberger Burgpokal, achtjährig stand er
dort sogar an zweiter Stelle. In jungen Jahren eher ein „Hempfling“,
wie es Rosenbauer ausdrückt, startete er sechsjährig auf dem
Bundeschampionat. Mittlerweile auf Grand-Prix- Ebene erfolgreich stehen
Siege wie in der Kür von Verden 2002 sowie hervorragende Platzierungen
auf bedeutenden Turnierplätzen zu Buche. Grand
Prix-erfolgreiche Reitpferde, gekörte Hengste fehlen noch die Stuten.
340 eingetragene Zuchstuten waren 2003 im FN-Jahrbuch Zucht
verzeichnet. Davon trugen nicht weniger als 70 die Staatsprämie. Die
herausragende Klasse der Vererbungskraft ihres Vaters demonstrierte
Lady als Siegerin der Stutenschau 1997 in Bedenbostel, Luna im Jahr
2002 als Siegerstute der Ratje-Niebuhr-Schau in Verden. Dass diese
Vererbungs- kraft weitergegeben wird, zeigen die Nachkommen, die aus
Lauries-Töchtern gezogen werden: So stammte Hannovers Siegerstute von
2002, die Rotspon-Tochter Romanze, aus der La Bostella von Lauries
Crusador xx. Noch eines drauf setzte die Weltmeyer-Lauries-Tochter
Waitaki, die 2002 in Neustadt/Dosse Bundessiegerstute wurde. Und
geradezu selbstverständlich schlagen Lauries- Töchter auch in der
Erzeugung gekörter Hengste ein: So brachte Larissa mit Don Bosco den
rappfarbenen Don Crusador, der als Landbeschäler in Celle wirkt. Ein
Luftikus nennt ihn sein Reiter Wolfhard Witte, denn neben Intelligenz
und Lernwillen schummeln sich auch manchmal Flausen in den Kopf des
Hengstes. Sechsjährig in Dressurpferdeprüfungen der Klasse M platziert
und qualifiziert zum Bundeschampionat überzeugt er durch sein
Potenzial. „Das ist ein Hengst, auf dem man angreifen kann. Nichts ist
für ihn allerdings langweiliger, als nur brav daher zu gehen“, erzählt
Witte.
Nach ähnlichem Rezept gezogen ist Dr. Doolittle.
Ebenfalls rappfarben, ebenfalls Hannoveraner, ebenfalls aus einer
Lauries-Mutter gezogen, als Vater aber direkt Donnerhall im Papier
stehend wirkt Dr. Doolittle auf der oldenburgischen Traditionsstation
Klatte. Mit einer 9,0 gewann der 1999 geborene Hengst unter Sandra
Kötter eine Dressurpferdeprüfung der Klasse L, war 2004 vierter im
kleinen Finale des Bundeschampionats. Fielmann schließlich, von
Florestan I abstammend, demonstrierte die Qualität einer
Lauries-Tochter als Zuchtstute mit seinem Sieg in der
Hengstleistungsprüfung von Neustadt/Dosse 2001: 133,78 lautete sein
Gesamtergebnis, mit 146,08 führte er auch den Dressurindex an. Ob
Enkel, Sohn oder Tochter ist letztlich egal: Wer Lauries Crusador xx im
Blut führt, hat beste Anlagen für Rittigkeit und Dressurtalent. Denn
dass der Vollblüter diese Eigenschaften dominant vererbt, hat er
mehrfach unter Beweis gestellt. 13 Jahre sind seine ältesten Nachkommen
erst - da kann noch viel kommen. Mit Sicherheit sogar.
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